HAARIGE GESCHICHTEN

René ist stolzer Besitzer eines Friseursalons der gehobenen Art, und das ausgerechnet in der schwäbischen Provinz, wo der Cent mindestens dreimal umgedreht wird, bevor er für „Schnickschnack“ ausgegeben wird. Sein Markenzeichen sind seine bunten Turnschuhe, seine Ladenschildkröte Harriet und seine gute Laune, die ihm nur dann abhanden kommt, wenn Kunden seine happigen Preise nicht bezahlen wollen. René ist nicht nur leidenschaftlicher Hair-Stylist mit hohen Ansprüchen, sondern auch Lebenskünstler par excellence. Kein Wunder, dass sich neben langjährigen Stammkunden auch allerhand schräge Paradiesvögel bei ihm die Klinke in die Hand geben: Vom Rotlicht-Peter mit tiefer gelegtem Maserati bis hin zum Philosophieprofessor mit einem Faible für Heidegger, reicht das Spektrum seiner illustren Kundschaft, der wir in seinem Salon begegnen. Und seine Kunden erzählen ihm allerlei lustige, traurige, vor allem aber skurrile Geschichten, wie sie nur das Leben selber schreiben kann. Da ist etwa Frau Haug, die die verordneten Ampullen zur Stärkung ihres feinen Haares trinkt, anstatt sie in die Kopfhaut einzumassieren; da ist die schöne Judith, deren Mann dank eines Lachanfalls in Tel Aviv vom Schnitzel-Fan zum Vegetarier mutiert. Ebenso illuster wie seine Kunden sind Renés Mitarbeiter, allen voran der hoch verschuldete Antonio Harmonia, dem dubiose Gestalten vor dem Salon auflauern, seine Azubi Mona Lisa, die den Drogen verfällt, und nicht zuletzt der Tausendsassa Louis, den die – vornehmlich weiblichen Kunden mit Päckchen und Liebesbriefen überhäufen.

Die haarigen Geschichten, im Wesentlichen lauter liebenswerte Einzelporträts von Kunden, Mitarbeitern und Freunden des Saloninhabers, sind durch Querverweise und die immer wieder in Erscheinung tretende Ladenschildkröte Harriet locker miteinander verknüpft und vermitteln dem Leser auf unterhaltsame Weise, mal lustige, mal traurige, aber doch meistens skurrile Einblicke in das turbulente Leben in einem Friseursalon in der schwäbischen Provinz.